ZFU-Zertifizierung für Fernlehrgänge: Was ist das und warum ist sie wichtig?

Autor

Tabea Böhler

Beruf & Karriere, 2. Juni 2022

Ernährungsmedizinerin, Trainerin für EMS & HIIT-Workouts und leidenschaftliche Sportlerin.


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Eine Person auf dem Sofa schaut sich auf einem Tablet die Website der ZFU an.

ZFU-Zertifizierung für Fernlehrgänge: Was ist das und warum ist sie wichtig?

Du hast die Absicht, dich online weiterzubilden, weißt aber bei der Menge an Ausbildungsinstituten noch nicht so recht wo? Dann solltest du dir Institut und Ausbildung einmal ganz anschauen. Ein Merkmal, auf das es sich dabei zu achten lohnt, ist das Siegel der ZFU. Denn dieses hat eine gewisse Aussagekraft über die Seriosität eines Fernlehrganges. Wofür die ZFU-Zertifizierung genau steht und warum Institute das Siegel mit Stolz präsentieren, während andere bewusst erst gar keins haben, erfährst du in diesem Beitrag.

Was ist die ZFU?

Die ZFU ist die Zentralstelle für Fernunterricht. Als solche wacht sie über die Gesamtheit der Fernlehrgänge in Deutschland und schützt den Verbraucher vor unseriösen Angeboten. Auftraggeber ist der deutsche Staat.

Was macht die ZFU genau? 

Die ZFU schaut sich jeden Fernlehrgang, der auf den deutschen Markt kommen soll, ganz genau an. Betrachtet werden Aspekte wie Lerninhalte, Lehrgangsmaterialien, Didaktik, Methodik, Unterstützung und Evaluation. Zudem prüft sie, ob das Lehrgangsziel auch wirklich erreicht werden kann und der Bezug zur Praxis beachtet wird. Dabei holt sie sich die entsprechende Fachexpertise durch einen externen Gutachter ins Boot.

Erst wenn eine Ausbildung den aufwendigen Prüfprozess überstanden hat, darf sie angeboten werden. Werden im Prüfprozess Mängel festgestellt, müssen diese behoben werden. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Inhalte neu geschrieben werden müssen, weil sie nicht richtig oder auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand sind.

Alle drei Jahre prüft die ZFU zudem, ob die Zulassungsvoraussetzungen noch immer erfüllt sind. Jede Prüfung ist für das Institut gebührenpflichtig.

Aber muss nicht jeder Fernlehrgang das ZFU-Siegel tragen?

Jain. Alle Fernlehrgänge sind per Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) zulassungspflichtig und müssen der ZFU zur Prüfung vorgelegt werden. Dass das ZFU-Siegel deshalb keine Aussagekraft habe, ist aber falsch.

Wer möchte, schafft es nämlich, diese Pflicht zu umgehen. Schließlich kostet die Prüfung das Lehrinstitut Geld, Aufwand und Zeit. Stellschraube ist die Konzeption des Lehrgangs. Denn nicht jeder Lehrgang, der auf den ersten Blick wie Fernunterricht aussieht, ist es auch. Was als Fernlehrgang gilt, ist gesetzlich genau festgelegt:

„(1) Fernunterricht im Sinne dieses Gesetzes ist die auf vertraglicher Grundlage erfolgende, entgeltliche Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten, bei der

  1. der Lehrende und der Lernende ausschließlich oder überwiegend räumlich getrennt sind und
  2. der Lehrende oder sein Beauftragter den Lernerfolg überwachen.

(2) Dieses Gesetz findet auch auf unentgeltlichen Fernunterricht Anwendung, soweit dies ausdrücklich vorgesehen ist.“

Nur Fernlehrgänge, die diesen Kriterien entsprechen, sind Fernlehrgänge im Sinne des FernUSG §1 und damit zulassungspflichtig.

Im Klartext: Was ist ein echter, d. h. zulassungspflichtiger Fernlehrgang?

Bei einem waschechten Fernlehrgang wird der überwiegende Teil des Lernstoffs individuell und im eigenen Tempo bearbeitet. Genutzt werden Lehrskripte, Videos oder Foren. Direktunterricht in Präsenz darf es auch geben, aber nur so viel, wie der Großteil des Lernstoffs noch in Eigenregie und ohne Dozent erarbeitet wird. Zu Präsenzterminen zählen Seminare vor Ort, aber auch Live-Webinare online.

Außerdem muss ein Fernlehrgang eine individuelle Lernerfolgskontrolle bieten. Dazu gehört beispielsweise eine persönliche Betreuung bei der Abschlussprüfung. Eine rein automatisierte Prüfungsauswertung gilt nicht als individuelle Lernerfolgskontrolle.

Ist eine Ausbildung kein Fernlehrgang im Sinne des Gesetzes, wird sie nicht von der ZFU geprüft. Stattdessen listet die ZFU den Lehrgang ohne inhaltliche Prüfung. Gleiches gilt für sogenannte Hobby-Lehrgänge, deren Inhalte ausschließlich der Freizeitgestaltung dienen.

Wie läuft die Zulassung durch die ZFU ab?

Das Logo der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU)

Ist ein Fernlehrgang zulassungspflichtig, muss das Lehrinstitut auf die ZFU zugehen und die Prüfung der Ausbildung beantragen. Die läuft dann in etwa so ab:

Um sich einen Eindruck zu verschaffen, händigt die ZFU dem Institut allerlei Formulare aus. Darin werden die didaktischen und methodischen Ansätze erhoben, aber auch Maßnahmen zur Betreuung und Unterstützung der Lernenden. Auch wird darauf geachtet, dass es ein Evaluationskonzept gibt, das die Meinung von Dozenten und Schülern regelmäßig erhebt. Dadurch stellt die ZFU sicher, dass das Institut die Notwendigkeit von Anpassungen am Lehrgangsverlauf effektiv erkennen kann und entsprechende Maßnahmen einleitet.

Liegt der ZFU der fertige Antrag vor, hat sie drei Monate Zeit, ein Urteil über den Lehrgang zu fällen. Während sie die formalen Punkte und allgemeine Konzeption des Lehrgangs prüft, konzentriert sich der externe Gutachter auf die Fachinhalte.

Am Ende gibt es drei mögliche Ausgänge:

  • Die ZFU hält den Fernlehrgang für vollkommen ungeeignet. Der Antrag auf Zulassung wird abgelehnt.
  • Im Großen und Ganzen ist alles in Ordnung mit dem Fernlehrgang. Es gibt aber an der ein oder anderen Stelle noch Nachbesserungsbedarf. Sobald die aufgezeigten Mängel behoben sind, darf der Fernlehrgang angeboten werden.
  • Die ZFU ist zufrieden. Die Ausbildung erhält die Zulassung. Sie darf ab sofort angeboten werden und das ZFU-Siegel tragen. Die ZFU-Zertifizierung liegt vor.

Wesentliche Änderungen an der Ausbildung müssen der ZFU angezeigt und von ihr gesondert zugelassen werden.

Sind Ausbildungen ohne ZFU-Zertifizierung schlecht?

Konzipiert ein Anbieter eine Ausbildung so, dass sie nicht unter das Fernunterrichtsschutzgesetz fällt, spart er bares Geld und kann einen Teil dieser Ersparnis vielleicht sogar an die Teilnehmer weitergeben. Das klingt erstmal nicht so verkehrt. Die Kehrseite ist für dich als Interessent aber sehr bedeutsam!

Oft fehlt Online-Ausbildungen, die laut Gesetz gar keine richtigen Fernlehrgänge sind, nämlich die individuelle Betreuung und Beurteilung des Lernerfolgs. Wird der ausschließlich in Form eines automatisierten Multiple-Choice-Tests bemessen, kann die Kompetenz am Menschen nicht geprüft werden. Für Trainer, Coaches und Berater ist das aber mindestens genauso wichtig wie der fachliche Hintergrund.

Überdies verpasst das Lehrinstitut die Chance, seine Inhalte von externer Stelle nochmal qualitativ auf Richtigkeit prüfen zu lassen. Gerade im Fitness- und Ernährungsbereich kursieren so viele Mythen, dass fachlich fundierte und gut aufbereitete Inhalte umso wichtiger sind.

Trotzdem kann das Institut natürlich auch ohne ZFU-Zertifizierung alles richtig machen und eine hochwertige, fundierte Ausbildung erstellen. Ein Fehlen des Siegels bedeutet daher nicht, dass die Ausbildung schlecht oder der Anbieter unseriös ist. Jedoch bescheinigt das Siegel eben, dass die Einhaltung qualitativer Standards überprüft wurde. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil von echten Fernlehrgängen gegenüber anderen Online-Ausbildungen und auch so machen Präsenzlehrgängen.

Fazit

Die ZFU schützt dich als Verbraucher vor schlechten Fernlehrgängen. Trägt eine Ausbildung das ZFU-Siegel, kannst du dir sicher sein, dass eine fachliche Kontrolle der Inhalte erfolgt ist. Der Lehrgang ist didaktisch gut aufbereitet und dir wird eine individuelle statt nur automatisierte Lernkontrolle geboten.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht, dass ein Fernlehrgang ohne ZFU-Zertifizierung schlecht ist. Die Wahrscheinlichkeit ist aber höher, dass die Ausbildung gut ist, wenn sie das ZFU-Siegel trägt. Für potenzielle Arbeitgeber kann das Haben oder Fehlen des Siegels ein wichtiger Hinweis darauf sein, ob die Ausbildung ihres Bewerbers vertrauenswürdig ist und auf gesicherten Erkenntnissen beruht. Trägt die Ausbildung das Siegel, kann er davon ausgehen, dass der Bewerber vernünftige Kenntnisse in den durch das Zertifikat ausgelobten Themengebieten besitzt.

Die Ausbildungen von Online Trainer Lizenz sind alle staatlich geprüft und tragen das ZFU-Siegel.

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2 Kommentare

Jens sagt:
3. Juni 2022

Wie sieht es mit der Anerkennung der ZFU-zertifizierten OTL-Lehrgängen im internationalen Umfeld aus? Verglichen zu ACE und NASM z.B.

Antworten
OTL sagt:
3. Juni 2022

Hallo Jens,
Vielen Dank für deine Nachricht. Sende gerne eine Mail mit deiner Frage an support@otl.email. Die Kollegen werden sich zeitnah bei dir melden.

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