Binge Eating – Ursachen, Folgen & Therapie

Autor

Philip Hegel

Ernährung, 17. August 2022

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Frau isst Popcorn vor dem Computer

Binge Eating – Ursachen, Folgen & Therapie

Das Binge Eating ist die am häufigsten verbreitete Essstörung und dennoch in der Gesellschaft relativ unbekannt. In der Wissenschaft ist diese Erkrankung noch weitgehend unerforscht im Vergleich zur Bulimie oder Magersucht. Einzuordnen ist sie bei den psychischen Störungen. Aber was genau ist eine Binge Eating Störung? Welche Ursachen und Symptome gibt es? Und wie sieht ein Binge Eating Ernährungsplan aus? In diesem Blogartikel gehen wir den Fragen genauer auf den Grund. 

Was ist Binge Eating?

Eine Binge Eating Störung ist vereinfacht gesagt eine dauerhafte Essstörung, bei der es zu unkontrollierten Essattacken oder besser gesagt Fressattacken kommt. Die betroffenen Menschen verschlingen dabei völlig unkontrolliert und wahllos Unmengen an Nahrungsmitteln. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff ‚binge‘ auf Englisch ein Gelage. Dieses Fressgelage kann oftmals mehrere Stunden dauern, denn bei den Patienten setzt kein Sättigungsgefühl ein. Auch ein Hungergefühl ist nicht vorhanden, ebenso spielt Genuss beim Binge Eating überhaupt keine Rolle. Ein Ende einer solchen Attacke ist meist erst bei auftretenden Magenschmerzen oder Übelkeit.

Die Betroffenen leiden fast immer an Übergewicht oder Fettleibigkeit. Im Gegensatz zur Bulimie Erkrankung (also der Ess-Brech-Sucht) wird nichts unternommen, um die zugeführten Kalorien wieder auszugleichen. Bulimie-Kranke erbrechen nach dem Essen die Kalorien wieder und absolvieren meist ein sehr exzessives Sportprogramm. Dennoch haben Betroffene einer Binge Eating Störung auch den starken Wunsch, abzunehmen und ihre Figurprobleme in den Griff zu kriegen. Diese Krankheit kann jeden Menschen unabhängig von Alter und Geschlecht treffen.

Welche Binge Eating Ursachen gibt es?

Diese Form der Essstörung ist wie schon weiter oben erwähnt, weitgehend unerforscht. Die Ursachen sind daher auch bis jetzt nicht bekannt. Dennoch gibt es einige mögliche Gründe für diese Erkrankung, welche sich auch gegenseitig beeinflussen und das Ausmaß der Krankheit erhöhen können: 

  • Genetik und erlebtes gestörtes Essverhalten in der Familie

Erkrankungen in der Familie erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine eigene Erkrankung.

  • Psychische Probleme 

Stress, Depressionen, schlechtes Selbstbild, Ängste

  • Falsches Essverhalten in der Vergangenheit

Viele gescheiterte Diäten in der Vergangenheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit der Fresssucht

  • Übergewicht

Ein erhöhtes Körpergewicht und Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper können zur Krankheit führen.

  • Geschlecht 

Binge Eating Symptome treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern

  • traumatische Kindheit

Missbrauch Mobbing oder Scheidung kann zur Erkrankung führen

  • fehlende Unterstützung

keine Unterstützung in der Familie oder im Freundeskreis

Wie wird Binge Eating ausgelöst und wie verläuft diese Krankheit?

Der Verlauf dieser Essstörung ist sehr wechselhaft. Die Betroffenen sind oft monatelang stabil, wenn sich ihre Lebenssituation und ihre Psyche in einem besseren Zustand befindet. In dieser Phase sind sie symptomfrei. Die Fressattacken treten auf, wenn sich eine Krise anbahnt und sich der psychische Zustand verschlechtert.

Auslöser der Attacken können emotionale Schwankungen und Probleme wie Ärger, Trauer oder Ängste sein. Aber auch zu viel empfundener Stress oder das Gegenteil Langeweile sind mögliche Impulse.

Weiterhin könnte ein Zusammenhang zwischen der Ernährungsweise und den Fressattacken bestehen. Betroffene mit Essstörung meiden oftmals zwischen den Anfällen kohlenhydratreiche und fettreiche Nahrungsmittel. Durch das Kaloriendefizit wird die Stressanfälligkeit und das Hungergefühl erhöht. Das Risiko zu einer Fresstattacke steigt. 

Wie schauen die Binge Eating Symptome aus?

Frau steht am Kühlschrank und isst Dessert

Die Symptome der Binge Eating Störung sind aktuell wie folgt definiert:

  • Regelmäßig wiederkehrende Fressanfälle über einen längeren Zeitraum mit Kontrollverlust und einem Verzehr an Unmengen an Essen
  • Patienten leiden infolge der Fressattacken

Zusätzlich liegen laut Definition mindestens drei weitere der folgenden Symptome vor:

  • hastiges Herunterschlingen der Nahrung
  • Fressen bis zu einem starken Völlegefühl
  • Stopfen großer Mengen ohne ein wirkliches Hungergefühl
  • Alleinessen aus Scham
  • entstehender Ekel über sich selbst nach dem Essen 
  • Empfinden von Schuld 
  • Depressionen

Wie kann man Binge Eating überwinden?

Die Essstörung muss von einem Arzt behandelt werden, damit sie langfristig kontrolliert werden kann. Eine Binge Eating Selbsthilfe ist meist nicht ausreichend, um diese Krankheit zu besiegen. Folgende medizinische Maßnahmen haben sich als wirksam erwiesen:

  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Interpersonelle Therapie
  • verhaltenstherapeutische Behandlung bzgl. der Ernährungsumstellung

Die Therapien können stationär und ambulant durchgeführt werden. Bei einem starken Verlauf mit gravierenden psychischen Problemen, muss die Behandlung durch einen Klinikaufenthalt erfolgen. Meist reicht jedoch eine ambulante Therapie bei schwachen Symptomen aus.

Wie läuft eine Binge Eating Therapie?

Mann und eine Frau in einer Beratungssituation

Die Kognitive Verhaltenstherapie ist die wirksamere Therapieform, wenn du Binge Eating stoppen möchtest. Sie besteht aus 3 Stufen:

  1. Normalisierung der Essgewohnheiten: Das Erlernen eines geregelten Essverhaltens ist das Ziel. Regelmäßige Mahlzeiten mit einer gesunden Zusammenstellung der Nährstoffe schützen vor Fressattacken. Zusätzlich finden Bewegungstherapien wie Sport und Atmungskurse statt, um die Gewichtszunahme zu stoppen und das Wohlbefinden zu stärken.
  2. Stärken der Psyche: Betroffene der Fresssucht leiden meist unter einem geringen Selbstwertgefühl. Sie müssen lernen, ein positives Gefühl und Selbstliebe für ihren eigenen Körper zu entwickeln. Gesellschaftliche Ideale müssen ausgeblendet und die eigenen Ängste abgebaut werden.
  3. Prävention neuer Fressattacken: Bisherige Gründe für Attacken müssen erkannt und vermieden werden. Die Betroffenen lernen, mit ihren negativen Gedanken umzugehen und die Konflikte anders zu lösen, als durch einen Essanfall. 

Die Interpersonelle Psychotherapie ist das zweite wirksame Verfahren bei Betroffenen. Dabei werden die interpersonellen, also zwischenmenschlichen, Konflikte begutachtet. Der Patient muss lernen, seine Kommunikation und Interaktion zu Mitmenschen zu verbessern, um Stress zu vermeiden und dadurch Fressattacken zu reduzieren und verhindern. Das neu gewonnene Selbstvertrauen steigert die eigene Sicherheit im sozialen Umgang mit anderen Menschen. 

Wie schaut ein Binge Eating Ernährungsplan aus?

Die verhaltenstherapeutische Behandlung zielt auf eine Ernährungsumstellung des Patienten ab. Die Mahlzeiten sollten ausgewogen und regelmäßig zu sich genommen werden. Idealerweise suchen sich Betroffene einen Ernährungsberater oder Fitnesstrainer, welcher mit dieser Art von Essstörung bereits Erfahrung hat. Das Ziel der Ernährungsumstellung ist es, Körpergewicht zu verlieren und die Fressanfälle zu reduzieren. 

Folgende gesunde Nahrungsmittel sollten auf einem Binge Eating Ernährungsplan stehen:

  • Vollkornprodukte (dunkles Brot, dunkler Reis, Vollkornnudeln)
  • Obst und Gemüse (Bananen, Äpfel, Brokkoli, Gurken, Paprika)
  • Mageres Fleisch (Huhn, Pute)
  • Fisch (Lachs, Thunfisch, Calamari)
  • ungesättigten Fettsäuren (Nüsse, Olivenöl)

Diese Nahrungsmittel sollten vermieden werden:

  • rotes Fleisch
  • weißer Zucker 
  • weißes Mehl
  • Fast Food
  • Alkohol
  • Süßigkeiten

Wie kann ich selbst Binge Eating stoppen?

Binge Eating überwinden ohne ärztliche Hilfe ist oft nicht so einfach. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten und Ratschläge, die dir bei der Überwindung dieser Essstörung helfen können. Mit diesen Tipps beugst du vor und bekommst einen sportlichen und gesunden Body. 

9 Tipps gegen Binge Eating

  1. Finde die Ursache und handle präventiv: Versuche herauszufinden, was deinen Fressanfall provoziert. Oftmals ist Stress oder Streit der Auslöser. Vermeide entsprechende Situationen und suche nach einer Entspannungsmöglichkeit. 
  2. Verzichte auf Cheat Days: In der Fitness Szene sehr beliebt sind die sogenannten Cheat Days. Das sind gewollte Fresstage, an denen alles erlaubt ist, worauf man gerade Appetit hat und das an den anderen Tagen verboten ist. Achtung: wo endet dieses unkontrollierte Fressgelage?! Die Gefahr in die Fresssucht abzurutschen ist dabei sehr groß. 
  3. Stelle dich nicht ständig auf die Waage: Der ständige Drang, sich zu wiegen, erhöht nur den Druck auf dich selbst. Und dies erzeugt wieder Stress und Unwohlsein. Also weg von der Waage. Diese Zahl sagt erstmal nicht allzu viel über deinen Körper aus. 
  4. Strebe keinem Schönheitsideal hinterher: Die Realität sieht ganz anders aus, als auf Instagram oder einem Katalogfoto suggeriert wird. Setze dich nicht mit unrealistischen Zielen unter Druck und liebe dich so, wie du bist. Jeder Mensch hat schöne Stellen an seinem Körper und auch du wirst sie an dir finden.
  5. Suche dir positive Menschen um dich herum: Trenne dich von Energiefressern und anderen Faktoren, die dich runterziehen. Suche dir dagegen positiv gestimmte und erfolgreiche Freunde und Vorbilder. Ein motivierter Trainingspartner schleppt dich mit ins Fitnessstudio oder zum Joggen. Eine gesundheitsbewusste Freundin begleitet dich zum Einkaufen gesunder Nahrungsmittel. Ein Restaurantbesuch mit sportlichen Freunden ermöglicht dir einen schönen Abend ohne Fressgelage…
  1. Esse regelmäßig und gesund: Durch regelmäßige über den Tag verteilte Mahlzeiten verhinderst du Heißhunger und Unterzuckerung. Achte auf gesunde Nahrungsmittel. Vor allem Obst und Vollkornprodukte sollten auf deinem Speiseplan stehen. Auch mageres Fleisch wie Hühnchenbrust oder Pute sättigen und liefern hochwertige Proteine für deine Muskulatur. 

    Falls du tagsüber keine Zeit zum Kochen hast, bereite deine Mahlzeiten schon am Abend für den nächsten Tag vor. Das verhindert den Griff zu spontanen, unüberlegten Süßigkeiten. Falls du ins Restaurant zum Essen gehst, wähle möglichst gesunde Gerichte von der Speisekarte. Du kannst überall den Wunsch äußern, ein Gericht ohne Soße oder ohne Panade zu bekommen. Ein gegrilltes Stück Fleisch oder Fisch mit Salat ohne Dressing sollte in jedem Restaurant möglich sein.
    
  2. Treibe Sport: Körperliche Bewegung produziert Glückshormone, stärkt dein Selbstwertgefühl und verbrennt ganz nebenbei noch Kalorien. Melde dich in einem Fitnessstudio oder Verein an, suche dir Freunde oder einen Trainingspartner, die dich begleiten und motivieren. Dabei stärkst du außerdem noch deine sozialen Kontakte. 
    
  3. Liebe dich selbst: Baue dir ein positives Selbstbild auf. Sei nett zu dir und mache dir Komplimente. Sehe die schönen Stellen an dir und konzentriere dich auf deine positiven Eigenschaften. 
    
  4. Habe Geduld: Deine Figurziele erreichst du nicht über Nacht und auch nicht nach nur einer Woche Workout. Genauso wirst du nicht nach 5 Tagen Diät auf einmal schlank aufwachen. Ein sportlicher und gesunder Körper ist ein Langzeit Projekt und sollte auch so angegangen und gepflegt werden. Starte in ein neues fittes Leben und bleibe am Ball. Integriere den Sport in deinen Tagesablauf. Bewege dich allgemein viel, nutze die Treppe anstatt des Aufzuges, gehe Spazieren oder arbeite in deinem Garten. Lebe einen gesunden Lifestyle und achte auf deine Ernährung. Esse nur gesunde Nahrungsmittel, vermeide Zucker und trinke viel Wasser. Dann bekommst du irgendwann ‚automatisch‘ einen sportlichen, gesunden Körper. 

Fazit

Obwohl Binge Eating die am weitesten verbreitete Essstörung ist, steht ihr Bekanntheitsgrad und der Stand der wissenschaftlichen Forschung noch am Anfang. Betroffene verlieren komplett die Kontrolle über ihr Essverhalten und stopfen Nahrungsmittel wahllos und ohne Genuss in sich hinein. Sie leiden oft monatelang unter starken Symptomen und sind meist stark adipös, da sie im Gegensatz zu Bulimie Kranken keine Gegenmaßnahmen wie Sport oder Erbrechen ausüben.

Binge Eating überwinden ist oftmals alleine nicht möglich und bedarf einer ärztlichen Binge Eating Therapie. Neben der kognitiven Verhaltenstherapie und einer interpersonellen Therapie ist auch ein Binge Eating Ernährungsplan ein bedeutender Teil der Behandlung.

Quellen:

DSM-5 Diagnostic Criteria – allianceforeatingdisorders.com. Archiviert vom Original am 1. Juli 2017; abgerufen am 26. Juli 2017 (amerikanisches Englisch).

Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Binge_Eating#cite_note-:0-1 , abgerufen am 04. August 2022

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