Bindegewebe

Was ist das Bindegewebe?

„Ich habe schwaches Bindegewebe!“ – Kommt dir dieser Satz  bekannt vor? Aber was ist dieses ominöse „Bindegewebe“? Wie ist es aufgebaut und welche Funktionen übernimmt es? Die Antworten findest du in diesem Artikel. Gehen wir der Sache auf den Grund:

Das Bindegewebe gehört zu den vier Gewebearten des menschlichen Organismus. Traditionell unterscheidet man in: Binde- und Stützgewebe,dasMuskelgewebe, dasEpithelgewebe unddasNervengewebe. Jede Gewebeart unterscheidet sich anhand ihres spezifischen Aufbaus unter übernimmt spezielle Funktionen. Insgesamt lässt sich „das Gewebe“ jedoch als ein Zusammenschluss von gleichartigen Zellen beschreiben.

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Aufbau des Bindegewebes

Das Bindegewebe besteht aus speziellen Bindegewebszellen und dem zwischenliegendem Interzellularraum (Interzellularsubstanz, Extrazellularmatrix). 

1. Die Bindegewebszellen werden in ortsständige Zellen und mobile Zellen unterschieden. Wie die Bezeichnungen „ortsständig“ bereits erahnen lässt, beschreiben sie einen Zelltyp, welcher fixiert und nicht beweglich ist. Den Hauptbestandteil machen sogenannte Fibroplasten aus, welche aktiv am Auf-, Ab- und Umbau der Extrazellularmatrix beteiligt sind. Neben ihnen gibt es jedoch auch: Fibrocyten, Myofibroplasten, Retikulumzellen, Sehnenzellen, Chondrozyten, Osteozyten und Fettzellen. Mobile Zellen können sich hingegen frei im Gewebe bewegen und patrouillieren beispielsweise als Bestandteil des Immunsystems als Lymphocyten, Plasmazellen, Makrophagen oder Mastzellen.

2. Die Extrazellularmatrix, kurz: EZMbeschreibt ein Netz verschiedener Makromoleküle. Dieses Netz setzt sich aus Bindegewebsfasern und einer sogenannten „Grundsubstanz“ zusammen. 

Die Bindegewebsfasern bestehen aus:

  • Kollagenmolekülen: zugfeste Kollagenfasern (u.a. Sehnen und Bänder), biegungselastische Retikuläre Fasern (u.a. Lymphknoten und Milz) und
  • Elastinmolekülen: Zugelastische Fasern (u.a. Blutgefäße).

Die „Grundsubstanz“ besteht aus Polysacchariden (Glycosaminoglycane) und Proteinen (Proteoglycane, Glycoproteine) welche in der Lage sind Wasser zu binden, sowie aus Wachstumsfaktoren.

Arten von Bindegewebe

Der Begriff „Bindegewebe“ umfasst eine Vielzahl an verschiedenen untergeordneten Gewebearten und ist in verschiedener Ausprägung im gesamten menschlichen Körper vorhanden. Auch in der Fachliteratur ist man sich bis heute nicht einig, welche Gewebearten dazu gezählt werden.

  • Embryonales Bindegewebe, auch: Mesenchym
  • Gallertartiges Bindegewebe 

Das gallertartige Bindegewebe besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern, Polysacchariden (Hyaluronat) und Wasser. Es kommt in der Nabelschnur zum Schutz der Nabelschnurgefäße vor, jedoch auch in den Zähnen.

  • Retikuläres Bindegewebe
    Das retikuläre Bindegewebe besteht hauptsächlich aus netzartig angeordneten retikulären Fasern, Proteinen (Fibronektin) und fibroblastischen Retikulumzellen. Diese Bindegewebeart bildet das Grundgerüst für lymphatische Organe (u.a. Lymphknoten und Milz) und das Knochenmark. Sie bilden ein Netz (lat. reticulum , „kleines Netz“) in welchem sich mobile Zellen ansiedeln und sich zu Stammzellen für Blut und Immunsystem entwickeln.
  • Spinozelluläres Bindegewebe

Das spinozelluläre Bindegewebe besteht aus wenigen retikulären Fasern und vielen Fibrozyten.  Es bildet den Follikel (Hülle der Eizelle) im Eierstock.

  • Lockeres faserarmes Bindegewebe, auch: interstitielles Bindegewebe
    Das lockere faserarme Bindegewebe ist die häufigste Bindegewebeart im menschlichen Organismus. Es besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern (Typ I und III), elastischen Fasern, Polysacchariden (Hyaluronat) und Proteinen (Decorin). Das interstitielle Bindegewebe bildet die Bausubstanz für die Organgerüste. Es verbindet Gewebeanteile miteinander, fixiert Nerven fixiert und integriert versorgende Gefäße. Des Weiteren fungiert es als Wasserspeicher, Verschiebeschicht und Dehungsreserve bei wechselnden Tonusverhältnissen.
  • Straffes faserreiches Bindegewebe
    Das straffe faserreiche Bindegewebe besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern (Typ I) und wird noch einmal in ein „straffes geflechtartiges“ und in ein „straffes parallelfasriges“ Bindegewebe unterteilt. Das straffe gelfechtartige Bindegewebe gewährleistet aufgrund seines Aufbaus eine Zugfestigkeit in alle Richtungen (u.a. Organkapsel, Faszien der Skelettmuskeln). Beim parallelfasrigen Bindegewebe richtet sich die Anordnung der Fasern nach einer speziellen Zugkraft (u.a. Sehnen, Bänder, Aponeurosen).
  • Elastisches Bindegewebe

Das elastische Bindegewebe besteht aus mehr elastischen als kollagenen Fasern und verleiht einigen Bändern im menschlichen Organismus eine hohe Eigenelastizität (u.a. Lig nuchae). Sie sind jedoch auch im elastischem Knorpel und im lockeren Bindegewebe der Haut zu finden.

  • Fettgewebe

Das Fettgewebe ist eine spezielle Form des retikulären Bindegewebes und dient als Kaloriendepot und Kälteschutz. Man unterscheidet in ein „Speicherfett“ welches Kalorien speichert, in ein „Baufett“, welches als Polster diverser Strukturen dient (u.a. Fußsohle, Wangen) und in ein „braunes Fettgewebe“ welche vorrangig Säuglingen als Wärmedepot dient.

Funktionen des Bindegewebes

Je nach Aufbau kann das Bindegewebe im menschlichen Körper diverse Formen annehmen und erfüllt diverse Funktionen. Wie der Name „Bindegewebe“ bereits aussagt, übernimmt es eine Bindefunktion im menschlichen Organismus. Einerseits verbindet es diverse Strukturen der Organe (u.a. Gefäße, Nerven) miteiandern. Andererseits stabilisiert es Gelenke (Bänder) und überträgt Kräfte von Muskeln auf Knochen (Sehnen). Über die Extrazellularmatrix übernimmt das Bindegewebe ebenso Stoffwechselfunktionen und regulierende Funktionen des Wasserhaushaltes. Auch an der Wundheilung und Immunabwehr ist es aufgrund seiner mobilen Zellen beteiligt. Des Weiteren fungiert es über das Fettgewebe als Kalorienspeicher.

Bindegewebsschwächen

„Cellulite“, „Orangenhaut“ oder medizinisch korrekt „Dermopanniculosis deformans“  beschreibt eine Art der Bindegewebsschwäche, welche nicht erst seit den 80er Jahren in aller Munde ist. Verschiedene Cremes versprechen eine entsprechende Abhilfe, werden aber Studien zufolge keinen Erfolg bringen. Warum? „Cellulite“ ist eine Degeneration von kollagenen und elastischen Fasern des subkutanen (unter der Haut befindlich) Bindegewebes, welche zu großen Teilen genetisch bedingt ist. Sie betrifft mehr Frauen als Männer. Dies liegt vor allem daran, dass das weibliche Bindegewebe eher parallel ausgerichtet und direkt von Hormonen (Östrogen) beeinflusst wird. Erleichtern diese Faktoren zwar eine Schwangerschaft, begünstigen sie leider auch das Ausbilden einer Cellulite. Auch wenn man an einer genetischen Disposition nicht viel ändern kann, kann man jedoch einige Risikofaktoren minimieren:

  • Übergewicht, Adipositas: Je mehr Speicherfett im menschlichen Körper eingelagert ist, desto sichtbarer sind die Fettzellen (Lipozyten). Außerdem behindert ein hoher Anteil von Speicherfett den Abfluss von Lymphe und Blut, was langfristig zu Wassereinlagerungen und Schwellungen des Gewebes führt.
  • Ungesunde Ernährung: Eine ungesunde Ernährung hat Übergewicht zur Folge. Aber auch extreme Gewichtsschwankungen können das Bindegewebe nachhaltige schädigen.
  • Bewegungsmangel: Durch aktive körperliche Bewegung werden Stoffwechselprozess in Gang gesetzt und die Durchblutung gefördert. Bei Bewegungsmangel stagnieren diese Prozesse und können langfristig zu Übergewicht führen. 
  • Nikotinkonsum, zu enge Kleidung, anhaltender emotionaler Stress

Ist eine Cellulite erst einmal entstanden, lässt sie sich mit konservativen Methoden nicht mehr behandeln. Zwar kann sie durch die Reduktion von Gewicht, Steigerung der körperlichen Aktivität, und Anregung von Durchblutung und Stoffwechsel minimiert werden, besteht aber zeitlebens. 

Literaturverzeichnis:

Amboss (2019). Bindegewebe. Abgerufen am 24.11.2019 von https://www.amboss.com/de/wissen/Bindegewebe

Pschyrembel Online (2019). Bindegewebe. Abgerufen am 24.11.2019 von https://www.pschyrembel.de/Bindegewebe/K03R3/doc/

Pschyrembel Online (2019). Cellulite. Abgerufen am 24.11.2019 von https://www.pschyrembel.de/Cellulite/K0QEL

Zervos-Kopp, J. (2009). Ergotherapie Prüfungswissen. Anatomie, Biologie und Physiologie, 2. Auflage. Georg Thieme Verlag. Stuttgart.

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