Patellaspitzensyndrom Jumpers Knee

Was ist das Patellaspitzensyndrom (Syn. Jumpers Knee, Springerknie)?

Die Patellasehne (Lig. patellae) verläuft von der unteren Spitze der Kniescheibe (Patella, Apex patellae) bis zum Schienbein (Tuberositas tibiae) und ist die funktionelle Verlängerung der Sehne des M. quadriceps femoris . Sie ist das Verbindungsstück zwischen der Patella und dem Unterschenkel und verbessert die Hebelwirkung sowie die Kraftübertragung des M. quadriceps femoris (vierköpfiger Streckmuskel der Oberschenkelmuskulatur). 

Was verursacht das Springerknie?

Anders, als traditionell beschrieben, ist das Springerknie keine Entzündung der Patellasehne. Vielmehr ist es eine Überlastungserscheinung, welche aus einer mechanischen Überbeanspruchung der Patellasehne resultiert. Vor allem durch akute oder chronische Zugbeanspruchung wird die Patellasehne überlastet und es entstehen sogenannte Mikrorupturen (kleine Faserrisse) im Sehnengewebe.

Sofort werden Reparaturmechanismen in Gang gesetzt, welche sich dank des langsamen Sehnenstoffwechsels über Monate hinziehen können. Werden diese Prozesse durch erneute Überbeanspruchung gestört, kann die Patellasehne nicht vollständig ausheilen bzw. heilt fehl. Auf Zellebene führt dies zu mikroskopisch kleinen Veränderungen: Zuerst kommt es zu einer Schwellung und Verdickung der betroffenen Fasern, dann zu einer Knötchenbildung (Granulom) und schließlich zu einer degenerativen Verdickung bzw. Vernarbung. Langfristig führt dies zu einer Schwächung und schließlich zum Versagen der Funktionen (v.a. Kraftübertragung) der Patellasehne. 

Welche Faktoren begünstigen das Jumpers Knee?

Vor allem Sportarten, welche auf springen/landen – daher auch der Begriff „Jumpers Knee“ bzw. „Springerknie“ – oder beschleunigen/bremsen beruhen (u.a. Volleyball, Basketball, Weit- oder Hochsprung) sind besonders betroffen. Häufiger als im Elite-, tritt das Patellaspitzensyndrom jedoch im Freizeitsport auf. Vorrangig sind hier Männer betroffen. Im Fitnessbereich sind daher u.a. folgende Faktoren mit Risiken behaftet:

  • Systemisch: Bindegewebsschwäche, Patellahochstand, chronische Kniegelenksentzündung, übermäßiger Q-Winkel des Kniegelenks
  • Trainingsinduziert: Übermäßige Trainingsintensität, -Häufigkeit und -Volumen, Leistungsniveau, reduzierter Dehnungszustand der Muskulatur, Härte des Trainingsbodens

Welche Symptome treten beim Springerknie auf?

Die Beschwerden lassen sich im Anfangsstadium nur schwierig von anderen Kniegelenksverletzungen bzw. -syndromen unterscheiden. Die Symptome variieren: Sind sie bei keiner bis wenig Belastung häufig kaum zu spüren und eher diffus, nehmen sie bei Belastungsspitzen zu. Das Kardinalsymptom für das Patallspitzensyndrom sind daher belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der Patellasehne bzw. der Kniescheibenspitze.

Bei Aktivitäten, bei denen Energie in der Patellasehne gespeichert und freigesetzt wird (zum Beispiel bei Kniebeugen), nehmen die belastungsbedingten Schmerzen in der Regel mit der Belastung der Kniestreckmuskeln zu. Je nach Grad des Syndroms kann der Schmerz zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten. Nach Roels wird das Patellaspitzensyndrom daher wie folgt eingeteilt:

  • Grad I: Schmerzen nach Beendigung der Belastung
  • Grad II: Schmerz nach Beginn der Belastung, der nach der Aufwärmzeit wieder verschwindet und nach Beendigung wieder auftritt
  • Grad III: Permanenter Schmerz bei Belastung und im Alltag (u.a. Anlaufschmerz nach längerem Sitzen oder Hocken, Treppen steigen)
  • Grad IV: Patellasehnenruptur (Riss der Patellasehne)

Klinisch werden die Schmerzen oftmals als stechend beschrieben und treten wiederholt bei bestimmten Winkelgraden des Kniegelenkes auf. Auch eine Schwellung des betroffenen Areals bzw. die Empfindlichkeit der Patellasehne gegenüber Druck sind typisch für das Patellaspitzensyndrom.

Patellaspitzensyndrom Dauer

Das Patellaspitzensyndrom tritt nicht über Nacht auf, sondern wird oftmals über mehrere Monate und Jahre durch verschiedene Faktoren erworben. Wie bereits erwähnt ist der Sehnenstoffwechsel vergleichsweise langsam und eine Regeneration von überlasteten Sehnen kann sich über mehrere Wochen und Monate hinziehen. Wird dieser Prozess wiederholt gestört, kann es durch eine Narbenbildung des Sehnengewebes sogar zu einer Chronifizierung des Krankheitsbildes kommen. Eine frühzeitige Erkennung ist daher wichtig, um eine Therapie frühzeitig einzuleiten und die Regenerationszeit möglichst kurz zu halten. Je weiter das Syndrom fortgeschritten ist, desto länger gestaltet sich daher Therapie und Regeneration.

Patellaspitzensyndrom Behandlung

Die Behandlung und Therapie des Patellaspitzensyndroms variiert je nach Grad und Stadium. In den Anfangsstadien wird jedoch primär eine konservative Therapie angewandt, welche folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Sportkarenz und Modifikation der sportlichen Tätigkeit
  • Medikation: Neben Schmerzmitteln werden teilweise immer noch Entzündungshemmer verordnet. Da es sich beim Patellaspitzensyndrom jedoch um eine nicht-entzündliche Erkrankung handelt, haben diese in der Regel keine Wirkung. 
  • Physiotherapie u.a.thermische Anwendungen (Wärme- & Kältetherapie), Elektrostimulation, Dehnung des M. quadriceps femoris und der ischiocruralen Muskulatur, Funktionsmassage, Querfriktionen, Triggerpunkte M. quadriceps femoris
  • Stoßwellentherapie
  • Kinesio-Tape und Orthesen (u.a. Bandagen)

Wenn das Patellaspitzensyndroms fortgeschritten und keine Verbesserung durch konservative Methoden zu erwarten ist, wird häufig zu operativen Maßnahmen gegriffen. Vor allem arthroskopische Eingriffe stehen hier an der Tagesordnung. Da diese bei Kniegelenken jedoch eher eine mäßige Evidenz aufweisen, rät es sich, zuerst alle konservativen Methoden auszuschöpfen und sich eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen.

Patellaspitzensyndrom Übungen

Wenn man in die Übungen gegen das Patellaspitzensyndrom einsteigt, sollte die Modifikation der sportlichen Tätigkeit zuerst angegangen werden. Folgende Fragen sind hierbei essenziell:

  • Welche Risikofaktoren des Patellaspitzensyndroms bedient man?
  • Wie konnte es zu dieser Überlastungserscheinung kommen?
  • Was kann man gezielt gegen diese Risikofaktoren/ die Überlastung tun?

Um den Sehnenstoffwechsel und somit die Heilung der Patellasehne zu fördern, bedarf es Bewegung und dosierter Belastung. Insgesamt fehlt es aktuell noch an Forschung und ausreichend Evidenz, um eine allgemeingültige Aussage über die optimale Therapie vom Patellaspitzensyndrom treffen zu können. Die neuere Forschung hat jedoch einige Tendenzen ergeben, welche einen positiven Effekt auf das Syndrom haben sollen. So soll Studien zufolge vor allem das exzentrische Training im Mittelpunkt der Rehabilitation des Patellaspitzensyndroms stehen.

Wie trainiert man exzentrisch?

Exzentrisches Training ist kein Hexenwerk: Man betont lediglich die negative Phase Bewegung stärker. Das hieße zum Beispiel für den Beinstrecker: Man überwindet das Gewicht mit beiden Beinen, löst das nicht-betroffene Bein und lässt das Gewicht kontrolliert mit dem betroffenen Bein wieder herab. Auch das Training mit einem Partner ist hier sinnvoll, um sich bei der konzentrischen Phase (Überwinden des Gewichtes) helfen zu lassen. Natürlich kann man das Gewicht auch wieder mit beiden Beinen kontrolliert herablassen und steigert lediglich das Tempo bei der Überwindung des Gewichtes, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen. Neben dem Beinstrecker eignet sich u.a. auch die Beinpresse für dieses Form des Trainings.

Wie trainiere ich zu Hause?

Für alle, die weder Beinstrecker noch -presse zu Hause stehen haben, eigenen sich laut Kongsgaard et al., 2006 vor allem Decline Eccentric Squats als Übung zur Rehabilitation des Patellaspitzensyndroms. Man benötigt lediglich eine abwärts geneigte Schräge und führt auf dieser (zweimal täglich drei Sätze a 15 Wiederholungen) Squats durch, bei welchen somit die Ferse höher liegt als die Fußspitzen. Wem auch die abwärts geneigte Schräge fehlt, der kann auch auf ein dickeres Buch (mit der Ferse drauf stellen) oder auf Single-Leg-Squats ausweichen, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen. Auch hier ist die exzentrische Bewegung zu betonen. 

Achte dabei unbedingt auf die korrekte Ausführung der Übungen! Lade dir jetzt eine Anleitung kostenlos herunter, mit der du die Grundübungen richtig ausführst und Verletzungen zu vermeidest:

Literaturverzeichnis

Kongsgaard, M.; Aagaard, P.; Roikjaer, S.; Olsen, D., Jensen, M.; Langberg, H. & Magnusson, S.P. (2006). Decline eccentric squats increases patellar tendon loading compared to standard eccentric squats. Clin Biomech (Bristol, Avon). 2006 Aug;21(7):748-54. Epub 2006 May 3. Doi: 10.1016/j.clinbiomech.2006.03.004

Ogon, P.; Salzmann, M.; Maier, D. & Südkamp, N.P. (2009). Arthroskopische Therapie des Patellaspitzensyndroms. Wenn das Knie beim Springen schmerzt. ORTHOPÄDIE & RHEUME 6/2009. Abgerufen am 30.10.2019 von http://sportorthopaedie-praxis.de/cms/custom/art_files/f21_patellaspitze.pdf.
Pschyrembel Online (2019). Patellaspitzensyndrom. Abgerufen am 30.10.2019 von https://www.pschyrembel.de/Patellaspitzensyndrom/K0GFD

Santana, J.A. & Sherman, A. I. (2019). Jumpers Knee. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2019 Jan-. Abgerufen am 30.10.2019 von https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK532969/

Saueressig, T. (2015). Evidenzbasierte Physiotherapie.de. Hilfe bei Schmerzen und Funktionsstörungen. Frage und Antwort: Quadrizepssehnenreizung, Patellaspitzensyndrom und exzentrisches Training. Abgerufen am 30.10.2019 von https://evidenzbasiertephysiotherapie.de/quadrizepssehnenreizung-patellaspitzensyndrom-exzentrisches-training/.

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