Motorisches Lernen

Motorisches Lernen: Wie lernst du Bewegungen?

Erinnerst du dich noch an dein erstes Training? Zu Beginn waren deine Bewegungen im Training sicher noch etwas unbeholfen. Doch mit ausreichenden Wiederholungen, wurdest du in den Bewegungsabläufen immer sicherer und kontrollierter, bist du diese schließlich auch im Schlaf absolvieren konntest. So ging es dir bestimmt schon mit einigen Dingen, die du zum ersten Mal probiert und später fortgeführt hast. Dein Körper lernt im Laufe seines Lebens immer wieder neue Bewegungen kennen. Um diese Schrittweise zu perfektionieren, durchläufst du immer wieder die Phasen des Motorischen Lernens. Welche Phasen dies im Detail sind, erfährst du in diesem Artikel.

Was bedeutet Motorisches Lernen? – Definition

Motorisches Lernen beschreibt wörtlich übersetzt das Erlernen von Bewegung (Motorik, lat. motor „Beweger“). Wenn du dich schon einmal auf eine Prüfung vorbereitet hast, weißt du sicher, was das Wort „Lernen“ für dich selbst bedeutet. Gerade weil jeder seine spezifischen Erfahrungen mit dem Begriff „Lernen“ verbindet, gibt es hier kontroverse Diskussionen, um eine genaue Definition.

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Eine mehrheitlich anerkannte Definition für das Motorische Lernen stamm von Hossner und Künzell: 

Motorisches lernen ist „die erfahrungsabhängige und relativ überdauernde Veränderung der Kompetenz, in bestimmten Situationen durch ein bestimmtes Verhalten bestimmte Effekte zu erzielen.“

Eine andere Definition von Suppé und Grillo beschreibt das Bewegungslernen als:

„Bewegungslernen bedeutet, Wege und Strategien des Lernens zu entwickeln, um erfolgreich ne Bewegungen zu lernen und bekannte zu festigen. Lernen bedeutet ebenfalls, Modifikationen, Variationen und Erschwerungen dieser Bewegungen zu ermöglichen und Teile von Bewegungen zu kombinieren.“

Welche Phasen des Motorischen Lernens durchläufst du?

Dass das Motorische Lernen in diversen Phasen abläuft, ist weitestgehend anerkannt. Welche Phasen dies jedoch genau sind, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Je nach Autor differenziert man zwischen zwei bis fünf verschiedenen Phasen bzw. Lernstadien. Folgende drei Phasen sind hierbei am geläufigsten:

1. Die Kognitive Phase – Frühes Stadium: Der Anfänger

Sicher ist dir der Begriff des „Anfängerglück“ geläufig. Du versuchst etwas zum ersten Mal und zack – es hat funktioniert. Sobald du jedoch versuchst dies zu wiederholen, möchte es dir einfach nicht mehr gelingen. Dies ist sinnbildlich für die Kognitive Phase des Motorischen Lernens. Zwar wirst du in dieser Phase schnell Erfolge erzielen können, kannst diese aber meist nicht über eine dritte Wiederholung reproduzieren. Nach dem Prinzip „Try and Error“ bildet dein zentrales Nervensystem zuerst Bewegungsstrategien und -muster. Deine Bewegungsausübung variiert sehr stark, du machst viele Fehler und dein Timing lässt zu wünschen übrig. Daher benötigst du in dieser Phase deine volle Konzentration und viel zusätzliche Unterstützung (z.B. visuelle Kontrolle), um eine Bewegung korrekt ausführen zu können. Bereits kleinste Störfaktoren können dich aus dem Konzept bringen.

2. Die Assoziative Phase – Mittleres Stadium: Der Fortgeschrittene

In der zweiten Phase des Motorischen Lernens beginnt dein zentrales Nervensystem Bewegungsstrategien und -muster unter die Lupe zu nehmen. Es vergleicht neue Informationen mit bereits Erlerntem und versucht Verknüpfungen zwischen ihnen herzustellen. Des Weiteren spürt es Fehler auf und verfeinert so neu erlernte Bewegungsstrategien und -muster. Dies hat zur Folge, dass du zwar weiterhin viel Fokus auf die Ausübung deiner Bewegung legen musst, sie aber bereits regelmäßiger, feiner und flüssiger abläuft. 

3. Die Autonome oder Automatische Phase – Spätes Stadium: Der Experte

Die letzte Phase des Motorischen Lernens eröffnet die Möglichkeit des „Dual Tasking“. Die Bewegungsstrategien und -muster sind voll automatisiert und auch Störfaktoren können diese nur noch geringfügig bis gar nicht beeinflussen. Du benötigst kaum Aufmerksamkeit und Kontrolle, um eine Bewegung korrekt auszuführen. Sie läuft automatisch, regelmäßig  und ökonomisch ab und du entdeckst Fehler selbstständig und kannst diese auch beheben. Aufgrund der vorhandenen Sicherheit ermöglicht dir dies das Ausführen von zwei Dingen gleichzeitig. In dieser Phase sind Fortschritte schwer zu erkennen, finden jedoch weiterhin statt. Dein zentrales Nervensystem strukturiert erlernte Bewegungsstrategien und -muster bis zum Erreichen deiner Leistungsgrenze stetig um. 

Muscle Memory Effekt: Kann man Bewegungen verlernen?

Sicher hast du Sätze wie „Fahrrad fahren verlernt man nicht!“ bereits in deinem Umfeld zu hören bekommen. Aber ist das korrekt? Kann man einmal erlernte Bewegungen tatsächlich nicht mehr „verlernen“? Gibt es ein sogenannten „Muscle Memory Effekt“ bzw. ein „Muskelgedächtnis“? In der Literatur findet man neben dem „Motorischen Lernen“ tatsächlich auch das „Motorische Verlernen“. Es besagt, dass zyklische oder rhythmische Bewegungen eher im motorischen Langzeitgedächtnis gespeichert werden, als azyklische oder komplexe Bewegungen. Das heißt jedoch nicht, dass du azyklische, komplexe Bewegungen sofort vergisst, sondern sie einfach häufiger trainieren musst oder längere Zeit benötigst, um wie wieder zu erlernen.

Literaturverzeichnis:
Grillo, T. & Suppé, B. (2014). Bedeutung der Instruktion für das motorische Lernen. In: Gantert, S.-G. & Suppé, B. (Hrsg.). FBL Klein-Vogelbach. Functional Kinetics. Die Grundlagen. 7.Auflage.Springer-Verlag. Berlin-Heidelberg.

Hossner, E.J. & Künzell, S. (2003). Motorisches Lernen. In: Mechling, H. & Munzert, J. (Hrsg.). Handbuch Bewegungswissenschaft – Bewegungslehre. Hofmann. Schorndorf.

Schmidt, F.R. et al. (2010). Physiologie des Menschen. Springer-Verlag. Heidelberg

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